TAGESWUNSCH
Archiv

Ehrliche Anerkennung verdienen Menschen, die sich vom Unverfügbaren im Naturverhältnis berühren lassen.
Vieles von dem, was im Leben von selbst entsteht, wächst, gedeiht und den Lebewesen gegeben ist, sollte schon deshalb nicht für selbstverständlich verfügbar gehalten werden, weil Menschen, Wissenschaften, Institutionen und Unternehmen sich im Nutzbarmachen von Naturwerten gewaltig irren können. Die von Natur aus gegebene Wirklichkeit hat ihren Eigenwert wie ein Mensch als Naturereignis selbst auch.
---
Alle Menschen haben Anspruch auf
Achtung und Schutz ihrer Würde.


Vier Grundsätze zur unglaublich verschachtelten biologischen Vielfalt
/1 Das sinnlich Wahrnehmbare der Wirklichkeit lässt sich leibhaftig erleben und entdecken. Es gilt, sich den Bewegungen der Natur zu stellen und sich dem gewachsen zu zeigen, was auf die Sinne einwirkt. Was ist da zu sehen? Was zu hören? Zu spüren? Was verstehe ich? Wie will ich darauf anworten?
/2 Menschen können sich berühren lassen von all dem, was von selbst geschieht. Es gibt auch die Betroffenheit durch naturgewaltliche Widerfahrnisse, Katastrophen und Unglücke. Krankheiten lassen sich trotz oder gerade wegen mancher Gewaltförmigkeit einfühlsam untersuchen und mit Gefühl erforschen, so dass wir Zugang finden zu dem, was wir auf stimmige Weise zur Heilung beitragen können oder doch besser als störende und entwürdigende Maßnahme unterlassen sollten, wenn es zum Beispiel darauf ankommt, unheilbar Kranke, sterbende Menschen in ihrer letzten Lebenszeit würdig zu begleiten.
/3 Was messbar und im Rahmen bestimmter Grenzen und Definitionen wissenschaftlich beherrschbar ist oder scheint, muss nicht in jeder Hinsicht als methodische Kulturtechnik und anhäufbares Kapital die vielfältigen Lebensgemeinschaften radikal bis über den Kipppunkt des Systems hinaus überfordern und überformen.
/4 Trotz aller Sinnhaftigkeit, das Naturgegebene als eine solche erlebbare Wirklichkeit aufzufassen, die auf Machbarkeit, Beherrschbarkeit und Verwertbarkeit hin auszureizen ist, kommt es wesentlich darauf an, der Unverfügbarkeit Raum zu geben, damit wir Menschen uns selbst, unsere Kultur und alles Leben in seiner Vielfalt nicht zerstören, sondern für uns und die nachfolgenden Generationen menschenwürdig erhalten.
22.05.2023 | Internationaler Tag der biologischen Vielfalt